27.02.17

"Weinst du denn noch immer nicht?" - Alle Reden Über Trauer 2017


Wie ihr mich kennt, blogge ich eigentlich sehr wenig über intime Angelegenheiten aber im Zuge einer sehr bewegenden Aktion der lieben Silke von www.in-lauter-trauer.de nehme ich mich heute, wie viele andere Blogger auch, einem Thema an über das ich sonst eigentlich immer schweige.
Die Liste aller Beiträge findet ihr unter: http.//in-lauter-trauer.de/alle-reden-ueber-trauer-2017
Das Thema Trauer muss natürlich nicht zwangsläufig nur mit dem Tod zusammenhängen, denn man trauert auch oft wegen andere Dinge (Kündigung,Scheidung...). In meinem Fall möchte ich diesen Post heute aber auf den Tod beziehen und ein langes Schweigen brechen. Die Motivation hierfür gibt mir meine ganz persönliche Geschichte und meine Erfahrungen wie es ist, wenn die eigene Art zu trauern nicht als solche akzeptiert wird.
Vor knapp 4 Jahren verstarb mein Vater. Ich war zum damaligen Zeitpunkt gerade 19 Jahre alt und somit , trotz erreichtem "Erwachsenenalter" , einfach noch viel zu jung um einen meiner Elternteile zu verlieren. Wie sollte ich damit umgehen? Ich war doch immer Papas kleine Prinzessin die jeden Wunsch erfüllt bekommen hat. Ich fiel damals für mich selbst in ein tiefes Loch ohne dass ich es mir anmerken lassen wollte, denn mit dem Tod meines Vaters starb auch ein kleines Stück in mir. Allerdings war meine Art zu Trauern einfach anders. So anders, dass meine Umgebung es nicht unbedingt akzeptieren wollte. Ich habe still getrauert und das tue ich im Übrigen auch bis heute noch. Von diesem Tag weg, im Juni 2013 wollten aber komischerweise auf einmal alle Leute mit mir über die neue und ungewohnte Situation reden. Jeder um mich herum, sei es nun aus der engsten Verwandtschaft oder auch aus dem Bekanntenkreis, hatte das unsagbar große Bedürfnis mit mir über die Geschehnisse zu sprechen. Nur einzig und allein ICH wollte einfach nicht darüber sprechen. Ich wollte in so vielen Momenten einfach nur meine Ruhe um die Sache mit mir selbst zu klären und um Dinge akzeptieren zu lernen, die ich einfach nicht so ganz wahrhaben wollte.
Aus Höflichkeit und Respekt allen anderen gegenüber habe ich bei Gesprächen über den Tod meines Vaters immer brav eine Antwort auf die mir gestellten Fragen gegeben. Innerlich kochte jedes Mal eine Wut in mir auf wenn wieder jemand ankam und meinte "Ach das ist so traurig, dein Vater ist viel zu früh gestorben, er war doch so ein guter Mensch" oder "Komm her lass dich drücken, ich weiß das ist so schwer für dich und deine Mutter.". Am liebsten hätte ich einfach nur gesagt: " Ja danke ich weiß und jetzt verpiss dich und lass mich einfach nur in Ruhe denn du hast absolut keinen Plan wie schwer es WIRKLICH ist." Aber so ist es anscheinend nun einmal in unserer heutigen Gesellschaft. Trauer sollte am Besten ganz öffentlich durch lautes Weinen gezeigt werden.
Im Bestattungsinstitut saß ich einem wildfremden Mann gegenüber und sollte nun also zusammen mit meiner Mutter und meiner Tante entscheiden ob wir lieber hätte, dass die Würmer meinen geliebten Papa auffressen oder doch das Feuer ihn in Asche verwandeln soll. Was für eine Entscheidung trifft man da? Woher soll ich denn wissen was in einer Pate stehen soll und welche Musik ich gerne für den "Abschied für Immer" haben möchte? Ich war nur noch genervt, denn ich wusste genau, dass mein Vater niemals wollte, dass wir so leiden müssen und dann auch noch rational denken sollen. Beim Begräbnis bin ich ehrlich gesagt einfach nur gesessen und habe gerade nach vorne gestarrt. Meine Umwelt habe ich in diesem Moment nicht wirklich wahrgenommen und meine Tränen kullerten innerlich, über mein Herz und meine Erinnerungen und ein wunderschöne Zeit, die so nie mehr wieder kommen wird. Die nett gemeinten Beileidswünsche habe ich natürlich höflich mit einem handschütteln und leichten Kopfnicken angenommen. Natürlich war es überwältigend zu sehen, wie unglaublich viele Menschen Anteil an der Trauer nahmen. Im Grunde wäre es mir aber lieber gewesen, nicht so vielen Menschen entgegen treten zu müssen.
Meine Sonnenbrille habe ich an diesem heißen Julitag nur in der Kirche abgenommen damit mir keiner ansehen konnte, wie es tief in mir aussieht. Ich war sehr froh als dieser Tag vorüber war und damit zumindest ein Teil von diesem schweren Kapitel abgeschlossen war. Warum nur ein Teil? Nun weil man so etwas bis an sein eigenes Lebensende niemals abschließen kann. Bis heute gibt es immer wieder Leute die das Bedürfnis haben mich mit den gleichen Sätzen an das Geschehene zu erinnern. Mittlerweile bin ich soweit, dass ich all Jenen nicht mehr böse bin, denn ich habe eingesehen, dass es eben ihre Art ist, mit der Trauer umzugehen. Ich trauere eben bis heute noch immer in Stille und für mich selbst. Ab und zu bin ich soweit, dass ich mit meiner Mutter Späße über gewisse Sachen , die dieses Thema betreffen, machen kann aber die schmerzlichen Momente mache ich immer noch mit mir selbst aus. Oft tut mir mein Freund schon sehr Leid, denn er weiß genau, dass ich oft abends in der Badewanne liege, Musik höre und weine und er einfach Nichts für mich tun kann. Aber er hat meine Art zu trauern akzeptiert und das ist gut so! Denn jeder Mensch hat seine eigene Art mit Schicksalsschlägen umzugehen und man sollte immer bedenken, dass es keine Regeln dafür gibt wie man richtig trauert. Es ist einzig und allein wichtig, dass die trauernde Person sich mit der neuen Situation zurecht findet und lernt damit umzugehen. In welcher Art das nun geschieht bleibt jedem Menschen selbst überlassen.



Alle reden über Trauer
In lauter Trauer

Kommentare :

  1. Respekt Denise zu dem großen Schritt und den ehrlichen Worten!

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    1. Danke Vali!
      Ich hab mir gedacht das ist einmal eine tolle Aktion aber ich denke es wird für mich eher einmalig bleiben dass ich über das Ganze so spreche

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  2. Ich verstehe dich nur zu gut. Innerlich werde ich auch sehr oft wütend, wenn Leute immer wieder zu einem kommen und ihr Beileid mitteilen. Sie meinen es zwar nur gut, aber ich kann das trotzdem nicht ab. Nichtsdestotrotz ist diese Post sehr mutig!

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    1. Danke!
      Ja das ist es ja-man möchte dann auch nicht gemein sein und böse werden aber innerlich kocht man einfach fast über

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  3. Hui....ist das schön pink hier :-D
    Da passt dieser Trauerbeitrag fast gar nicht rein. Zum Glück!
    Ich kenn diesen Schmerz...nur mit mir wollte zum Glück niemand drüber reden, bis auf einen Psychologen 4 Jahre später lol .... aber das wäre meine Geschichte ;-) Ich find mutig von dir so offen über deine Gefühle zu schreiben.
    Liebe Grüße
    Katrin von MaxiPrimus

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  4. Ja das wird auch eher ein einmaliger Post bleiben da ich ja sonst auch eher wenig aus meinem privaten Leben berichte (natürlich abgesehen von eigenen Erfahrungen über Produkten im persönlichen Alltag :D )
    Hast du auch mitgemacht?
    Wenn ja setz mir bitte mal den Link zu deinem Post hier drunter. Ich würde deine Geschichte sehr gerne lesen :)

    Viele Grüße

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  5. Ich verstehe das, man will ja immer höflich bleiben. Aber in diesen Fall würde ich sagen muss man sich auch abgrenzen. Wenn man nicht über den Tod des Vaters sprechen will, sollte man das einfach sagen. "Ich möchte jetzt darüber nicht sprechen, aber danke für deine Anteilnahme" und wenn du in der Badewanne weinst dann ist das auch okay, die Gefühle müssen raus. Es reicht ja vollkommen aus, wenn du mit einer Person deines Vertrauens (deiner Mutter) darüber sprechen kannst. Manchmal hilft es auch noch sich einen seelischen Bestand zu holen.

    Liebe Grüße
    Ella ��

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    1. Ich rede sonst, wenn ich mal rede mit meiner besten Freundin darüber da sie nur 2 Jahre zuvor ihre Mutter verloren hat und sie in meinen Augen dann auch verstehen kann was das für einen selbst wirklich bedeutet!
      Du hast Recht man sollte da höflich aber bestimmt sagen was man denkt und auch wenn einem keiner mehr darauf ansprechen soll!
      Viele Grüße

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  6. Das ist sicherlich einer der Blogposts, die mir längere Zeit im Gedächtnis bleiben werden.

    Deine Art zu trauern kann ich nachvollziehen, ebenso, dass du nicht immer wieder darauf angesprochen werden willst. Ginge mir genauso...
    Liebe Grüße
    Salvia von Liebstöckelschuh

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    1. Das freut mich zu hören! Ich hoffe immer möglichst viele Menschen mit so einem Post erreichen zu können um eben auch zu zeigen dass in solchen Situationen wirklich "alles" erlaubt ist!

      Viele Grüße

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  7. Wow, ein wundervoller Beitrag, in dem sich meine Gefühle durch und durch wiederspiegeln❤ Ich musste im November 12 meine Mutter gehen lassen, viel Zeit zum trauern hatte ich nicht, musste stark sein für meinen Sohn(so dachte ich damals zumindest) Heute weiß ich, das er für mich stark war und er mir jeden Tag die Power und Kraft zum weiter machen gegeben hat ❤ ... Dankeschön für deine Ehrlichkeit
    Liebe Grüße Vani
    http://test-elfen.de

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    1. Bitte gerne!
      Ja so ist es meistens aber solche Dinge erkennt man eben immer erst viel viel später!

      Viele Grüße

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  8. Es gibt keine Regeln um zu trauern. Ich habe offen getrauert, auch im Blog. Gab aber gleichzeitig zu bedenken, dass mein Mann und ich nun endlich "frei" wären. Das brachte mir ungläubige Blicke ein.
    So wie Du es machst, ist es DEINE Trauer. Nicht die der anderen, der Freunde, der Verwandschaft. Und es ist Dein Weg, damit umzugehen.

    Susi

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    1. Da hast du absolut recht! Und ich verstehe auch deine Ansicht, dass ihr nun endlich frei seid sehr gut!

      Viele Grüße

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  9. Mir fehlen die Worte und ich kann nichts anderes sagen, als dass es mir sehr leid tut.:( Ich finde es trotzdem wahnsinnig mutig von dir, so einen Beitrag zu schreiben. Viele würden sich nicht trauen.

    Ich wünsche dir alles Gute und viel Kraft! 💘💪

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    1. Danke das ist sehr lieb von dir! Es war nicht leicht aber ich bin froh dass ich bei dieser Aktion mitgemacht habe!

      Viele Grüße

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  10. Sehr schön geschrieben!

    Ich fühle mit dir, wirklich... Im Mai 2013 ist meine Mutter an einem Herzinfarkt gestorben. Einfach so... Ich trauerte und trauere auch heute noch. Im Stillen. Für mich. Alle meinten ich müsste doch ständig nur weinen und musste mich fast schämen, wenn ich in der Zeit des organisierens der Bestattung, auch einmal lächelte.

    Ich war so wütend, alle meinten meine Mutter besonders gut gekannt zu haben, doch wenn sie Hilfe brauchte bei irgendwas, war zu der Zeit niemand da.

    Hauptsache sie alle wussten besser wie man trauert als ich. Auch bekam ich mit, wie hintenrum gesagt wurde, dass ich unter Schock stehe und bald in ein tiefes Loch fallen werde wenn ich es realisieren würde.

    Glaube mir, ich verstehe dich!

    Liebe Grüsse
    Veronica

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    1. Das kommt
      mir alles sehr bekannt vor! Es ist schön zu wissen dass man mit der Situation nicht hanz so alleine ist :)

      Viele Grüße

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